Bijgewerkt op 13 juli 2015

 

The Martyred Virgins

ein gregorianischer Gedenkgottesdienst den weiblichen Opfern von Gewalt

      

Die Jungfräuliche Märtyrerin: seit Jahrhunderten aktuell

 

Seit den ersten Jahrhunderten verehrt das Christentum jungfräuliche Märtyrerinnen als Vorbild für Mut und Reinheit. Jugendliche  Mädchen wehrten die sexuellen Annäherungsversuche der römischen “Jeunesse dorée” ab, indem sie sich auf ihr Eheversprechen mit Christus beriefen. Den anfänglichen Erfolg bezahlten sie mit dem Leben. Die heilige Agnes steht stellvertretend für eine unübersehbare Zahl von jungfräulichen Märtyrerinnen; Jan van Eyck hat sie in seinem Gemälde “das Lamm Gottes” beeindruckend dargestellt. Ambrosius erklärt, dass diese Mädchen ein doppeltes Martyrium erlitten: Sie starben um ihrer Keuschheit und Religion willen; beide wollten sie bewahren.

Der heiligen Agnes und den Kirchen in Rom, die ihren Namen tragen, hat die Anthropologin Margaret Visser eine fesselnde Studie, mit dem Titel: Die Geometrie der Liebe gewidmet. Darin beruft sie sich auch auf Augustinus und kommt zu dessen Meinung, dass es sich um die Keuschheit im Geiste handelt; sie schlussfolgert, dass diese Mädchen vor ihrer Ermordung höchstwahrscheinlich vergewaltigt worden seien. Sie wurden zu Jungfrauen erhoben, weil die christliche Moral trotz der Lehre eines Christen wie Augustinus in diesem Punkt noch mit dem Makel der griechisch-römischen Kultur behaftet war. 

Die Schola Cantorum Karolus Magnus hat im Jahr 2004 an einem KRO Rundfunkprogramm mitgearbeitet, das dem Buch von Margaret Visser gewidmet war. Die Schola brachte die gregorianischen Gesänge aus dem Agnes-Offizium zu Gehör. Es hat sich herausgestellt, dass dieses sehr alte Offizium als Inbegriff der Liturgie der jungfräulichen Märtyrerinnen gelten konnte. Die Mitarbeit an dem Programm und die Lektüre von M. Vissers Buch ließ uns fragen, was dieser Reigen von Jungfräuliche Märtyrerinnen zu bedeuten habe. M. Vissers ernüchternde Sicht stellt eine Verbindung her zu einer durch die Jahrhunderte durchgehenden Problematik, die auch heute noch aktuell ist. Immer wieder sind Frauen das Opfer gewalttätiger sexuell motivierter Verbrechen, nicht nur in Kriegssituationen, sondern auch im alltäglichen Leben. Auch in der heutigen westlichen Kultur wird diese Problematik geleugnet, schöngeredet und schließlich auf die betroffenen Frauen abgewälzt. Die alttestamentliche Geschichte von Amnon und Tamar besitzt eine erschreckende Aktualität. Die christliche Tradition verehrte diese Märtyrerinnen als Jungfrauen. Man kann sich fragen, ob dies historisch gerechtfertigt ist, aber es hat zu einer beeindruckenden Liturgie geführt. Heutzutage werden solche Ereignisse unmissverständlich benannt und die Gerichtsurteile, namentlich jene der Kriegstribunale sind härter denn je. Schockierende Zeugnisse sind zusammengetragen worden. Aber es gibt, so sagt Helen Mees, eine niederländische Journalistin, keine Gedenkstätte und kein Trauerritual für die zahllosen Frauen, die betroffen sind. Der Frau wird weder als Opfer noch als Heldin gedacht. Ihr bleibt nur Schuld und Scham. Auch innerhalb der Kirche gibt es wenig Verständnis und manchmal ist sogar von pastoraler Gewalt die Rede. Gute Absichten verändern sich in schlimme Folgen, wenn z.B. eine “gefallene” Frau für unwürdig gehalten wird, Mutter zu werden.

Das Alte und das Heutige können sich gegenseitig unterstützen. Die Erhöhung, die die alte Liturgie beabsichtigt und die hier in den ursprünglichen gregorianischen Gesängen aus der Agnes-Liturgie erklingt, erhält neuen Glanz durch die Verbindung mit modernen Texten, in denen das Leid vieler Frauen auch in der heutigen Zeit klar und deutlich beschrieben wird.

Wie Ambrosius spricht auch Margaret Visser von einem Doppel-Martyrium. Sie will so darauf hinweisen, dass die Märtyrerinnen nicht nur einen schmerzhaften, sondern auch einen schändlichen Tod erlitten, weil sie wahrscheinlich vergewaltigt und so nach römischem Religionsverständnis entehrt wurden. In dieser Hinsicht leiden sie wie Christus, der keinen ehrbaren Tod, sondern den Tod am Kreuz erlitt, in jenen Tagen eine öffentliche Schande.

Jacques Janssen

(Übersetzung: Arnold Janssen)

 

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